Autor*in: Danny Ramadan
Illustrator*in: Anna Bron
Übersetzer*in: Lisa Kögeböhn
Hardcover: 120 Seiten
ISBN: 978-3949545726
Preis: 14,99 EUR (eBook) / 19,00 EUR (Hardcover)
Bestellen: Amazon
Story:
Salmas Mutter erwartet ein Baby und für Salma steht fest, dass sie die allerbeste große Schwester der Welt werden will. Doch wie wird man das? Antworten auf ihre Fragen findet sie in ihren Büchern nicht, also beschließt sie selbst einen Ratgeber zu schreiben. Sie beobachtet ihre Freund*innen, befragt sie und notiert ihre Gedanken. Als ihr geliebter Onkel der Familie seinen Mann Michael vorstellt, wird alles schwierig, denn ausgerechnet ihre Mutter – selbst eine große Schwester – kommt nicht damit klar, dass ihr Bruder schwul ist. Und Salma versteht nicht, wo das Problem liegt und ob sie überhaupt eine gute große Schwester sein kann, wenn ihre Mutter ihren Bruder nicht so lieben kann, wie er ist …
Eigene Meinung:
Mit dem von Anna Bron illustrierten Kinderbuch „Salma schreibt ein Buch“ legt der Autor Danny Ramadan den zweiten and der „Salma“-Reihe vor, in dem es um ein syrisches Mädchen geht, das nach der Flucht ein neues zu Hause in Hamburg findet. Während sich das erste Buch „Bei Salma zu Hause“ inhaltlich um das Wiedersehen mit ihrem Vater dreht, der von Syrien zu Salma und ihre Mutter zieht, legt der zweite Teil den Fokus auf die Familie und die kulturellen Barrieren, die Salmas Mutter umtreiben. Die Kinderbücher erschienen im Orlanda Verlag, in dem auch Danny Ramadans Roman „Nebelhorn-Echo“ herausgekommen ist, der sich an erwachsene Leser*innen richtet.
Die Geschichte zeigt Salma, die sich nach ihrer Flucht aus Syrien an das Leben in Deutschland gewöhnt hat – ihr Baba ist endlich ebenfalls in Deutschland, ihre Familie damit wieder komplett. Als sich ihr geliebter Onkel Khalou wieder bei der Familie meldet, empfindet Salma als großes Glück, denn endlich kann sie wieder Zeit mit ihr verbringen. Doch die Freude trübt sich, als Khalous Ehemann zur Sprache kommt – für Salmas Mutter ist dieses Thema absolut tabu, denn sie möchte weder darüber sprechen, noch will sie den Mann an Khalous Seite kennenlernen.
Danny Ramadan legt den Fokus des zweiten Bandes spürbar auf das Thema Homosexualität in Kontrast zu den kulturellen Barrieren und dem Glauben syrischer Familien – all das wird aus Salmas Sicht erzählt, die nur schwer verstehen kann, warum ihre Mutter damit ein Problem hat. Für Salma ist ihr Onkel Khalou noch immer der beste Onkel, den es gibt und sie mag ihn genauso wie zuvor. Die Idee das mit einem neuen Baby zu verbinden und dadurch Salmas Blick auf die Bande zwischen Geschwistern zu lenken, ist vom Autor sehr gut gewählt und gibt Leser*innen die Möglichkeit gemeinsam mit Salma zu erforschen, was es bedeutet einen Bruder oder eine Schwester zu haben und zeitgleich herauszufinden, wie bunt und vielfältig Liebe sein kann.
Die zahlreichen, kindgerechten Illustrationen von Anna Bron geben der Geschichte einen passenden Rahmen, denn die Bilder transportieren einen Teil die Handlung – mal durch kleine Illustrationen am Rande, mal durch ganzseitige Bilder, in denen beschriebene Szenen noch einmal gezeigt werden.
Die Figuren sind liebenswert und einprägsam – Salma ist eine mutige, neugierige Heldin, die ihren eigenen Weg geht und im Laufe der Geschichte reifer wird. Sie lernt zu ihren Fehlern zu stehen und zu sagen, wenn sie etwas falsch gemacht hat. Dabei wird sie nicht nur von ihrer Familie, sondern auch von ihrer besten Freundin unterstützt. Auch die erwachsenen Figuren sind liebenswert und passen mit all ihren Problemen gut in die Geschichte – sie bieten den perfekten Rahmen für Salma um sich zu entwickeln und ebenfalls einige Veränderungen durchzumachen.
Stilistisch ist die Geschichte kindgerecht geschrieben – Danny Ramadan hat einen schönen, sehr angenehmen Stil und kann sehr gut die Gedanken und Gefühle eines Kindes beschreiben. Der Verlag gibt als Leseempfehlung am 4 Jahren an, aufgrund des Umfangs des Buchs von knapp 120 Seiten und des recht komplexen Inhaltes (mehrere kleine Handlungsbögen und Nebenstränge) würde ich „Salma schreibt ein Buch“ aber eher älteren Kindern ab 6 Jahren empfehlen.
Fazit:
„Salma schreibt ein Buch“ ist ein gelungenes Kinderbuch über Familie, Freundschaft und Akzeptanz und eine solide Fortsetzung des ersten Bandes „Bei Salma zu Hause“. Die Geschichte ist berührend, nachvollziehbar und zum Vorlesen für Kinder ab 6 geeignet. Danny Ramadan gelingt es viele, wichtige Themen kindgerecht aufs Papier zu bringen, Anne Bron gibt der dem Ganzen durch ihre ansprechenden Illustrationen einen passenden Rahmen. Wer auf der Suche nach guten Kinderbüchern zum Thema Queernes und Diversität ist, Flucht und Einwanderung, sollte einen Blick riskieren und der „Salma“-Reihe eine Chance geben.